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Startseite / Warum Resilienz

Die letzte Meile

Das Wissen ist da.
Es kommt nur nicht an.

Stellen Sie sich vor, der Strom fällt aus. Nicht für eine Stunde, sondern für drei Tage. Kein Licht, keine Heizung, kein Wasser aus der Leitung. Das Handy ist leer. Was tun Sie?

Die meisten Menschen in Deutschland haben darauf keine Antwort. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil es ihnen nie jemand beigebracht hat.

Die sechs Lücken →Unsere Antwort

  • 1,7 Mio.

    überwiegend ehrenamtliche Einsatzkräfte in Deutschland

  • 2022

    beschließt der Bund eine nationale Resilienzstrategie

  • 2025

    benennt deren Evaluierung die Lücke: die letzte Meile

Der blinde Fleck

Deutschland ist besser vorbereitet, als es scheint

Das Bundesministerium des Innern hat 2022 eine nationale Resilienzstrategie beschlossen. Es gibt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, es gibt Warn-Apps, es gibt rund 1,7 Millionen überwiegend ehrenamtliche Einsatzkräfte bei Feuerwehren, THW, DRK, ASB, Johannitern, Maltesern und DLRG.

Und trotzdem: Wenn Sie einen beliebigen Menschen auf der Straße fragen, wie viel Trinkwasser er zu Hause hat, wie er sich bei einem mehrtägigen Stromausfall verhält oder was er tut, wenn jemand vor ihm zusammenbricht — die Antwort fällt meist einsilbig aus.

Die Evaluierung der nationalen Resilienzstrategie aus dem Jahr 2025 benennt diese Lücke ausdrücklich. Sie nennt sie die letzte Meile: den Weg der Information von der Behörde bis zum einzelnen Menschen. Genau dort versagt das System.

Wie Deutschland aufgestellt ist

Die Resilienzarchitektur — kurz erklärt

Resilienz bedeutet: einer Krise standhalten, sich anpassen und sich erholen können. Die nationale Strategie folgt einem All-Gefahren-Ansatz — Naturgefahren, technische Störungen und menschengemachte Krisen werden zusammen gedacht, ebenso ihre Wechselwirkungen.

Ein Stromausfall bleibt selten ein Stromausfall: Er nimmt Wasser, Kommunikation, Kühlung und Heizung gleich mit.

Handlungsfeld der StrategieWorum es geht
1 — Das Katastrophenrisiko verstehenRisiken analysieren, die Datenlage verbessern, die Bevölkerung für Eigenvorsorge sensibilisieren
2 — Institutionen stärkenRisikomanagement als Querschnittsaufgabe in allen Verwaltungsebenen verankern
3 — In Vorsorge investierenRisiken in 17 Sektoren reduzieren, von der Gesundheit bis zur kritischen Infrastruktur
4 — Vorbereitung und WiederaufbauFrühwarnung, Notfallplanung, Übungen — und nach der Krise besser wieder aufbauen
5 — Internationale ZusammenarbeitUmsetzung des Sendai-Rahmenwerks der Vereinten Nationen

Die GzV arbeitet im ersten Handlungsfeld: Sensibilisierung und Befähigung der Bevölkerung. Genau dort, wo die Strategie am wenigsten trägt.

Zuständigkeiten

Sechzehn Bundesländer, sechzehn Ansätze

Der Bund verantwortet den Zivilschutz, Länder und Kommunen den Katastrophenschutz. Das ist sinnvoll — führt aber dazu, dass in sechzehn Bundesländern sechzehn Ansätze existieren. Hinzu kommt eine Vielzahl von Hilfsorganisationen mit jeweils eigenen Ausbildungssystemen. Für Sie als Bürgerin oder Bürger bedeutet das: Auf dieselbe Frage bekommen Sie unterschiedliche Antworten.

Die Analyse

Woran es hakt — sechs Lücken

Von diesen sechs Lücken nehmen wir uns drei vor: die fehlende Resilienzbildung, den Ausschluss gefährdeter Menschen und die fehlenden Anlaufstellen. Das ist eine bewusste Beschränkung. Eine junge Organisation, die alles zugleich lösen will, löst nichts.

LückeWas sie bedeutet
KonsumentenhaltungWo die Belastungsgrenzen des staatlichen Systems liegen, wird selten offen gesagt. Wer glaubt, im Ernstfall komme in jedem Fall sofort jemand, sorgt nicht vor.
Die letzte MeileBehörden stellen umfangreiches Material bereit. Es erreicht die Menschen nicht — es ist selten zielgruppengerecht, kaum digital und meist nicht praxisnah.
Verzerrtes RisikobewusstseinHochwasser und Sturm nehmen wir wahr. Stromausfall, Cyberangriff oder hybride Bedrohungen bleiben abstrakt — bis sie eintreten.
Ausschluss gefährdeter MenschenMenschen mit Behinderung, mit Pflegebedarf, mit Sprachbarrieren werden von Warn-Apps und Broschüren kaum erreicht. Sie bleiben Schutzbedürftige, statt zu Handelnden zu werden.
Keine ResilienzbildungSelbstschutz und Selbsthilfe stehen weder in der Schule noch in der Erwachsenenbildung verbindlich auf dem Programm. So entsteht keine Kultur der Vorsorge.
Keine AnlaufstellenEs fehlt an Orten — analog wie digital —, an denen sich Menschen niedrigschwellig orientieren können.
Die Wurzel

Die Bildungslücke ist die schwerste

Sie ist die Wurzel der meisten anderen. Die zentrale Bundesakademie für Bevölkerungsschutz bildet Fach- und Führungskräfte aus, nicht die Bevölkerung. Resilienzkompetenz ist in kaum einem Lehrplan verbindlich verankert. Es fehlt an pädagogisch ausgebildetem Personal, das diese Inhalte überhaupt vermitteln könnte.

Baden-Württemberg nimmt eine Vorreiterrolle ein und bringt erste Inhalte in den Schulunterricht — bundesweit bleibt das die Ausnahme.

Fachleute fordern seit Jahren, Selbstschutz und Selbsthilfe ein Leben lang zu vermitteln: von der Kita über die Schule bis in die Erwachsenen- und Seniorenbildung. Solange das nicht geschieht, bleiben Bürgerinnen und Bürger Objekte des Schutzes statt handelnde Menschen.

Resilienz entsteht nicht durch die großen Ideen Einzelner, sondern durch die richtige Reaktion vieler zum richtigen Zeitpunkt.

Wie wir Resilienz in die Schule bringen →

Community Resilience

Ein Programm zeigt, wie es gehen kann

Der Arbeiter-Samariter-Bund hat 2024 als Reaktion auf die Flutkatastrophe von 2021 ein Resilienzprogramm gestartet, gemeinsam mit Aktion Deutschland Hilft, der Katastrophenforschungsstelle der Freien Universität Berlin und der Hochschule Bielefeld. Es setzt auf Gemeinschaftsresilienz: die Fähigkeit von Nachbarschaften, eine Krise gemeinsam zu bewältigen.

Es bringt Kommunen, Feuerwehren, soziale Einrichtungen und Hilfsorganisationen an einen Tisch, arbeitet mit einem wissenschaftlich fundierten Methodenhandbuch und nutzt das vom Bund geförderte Kursformat Erste Hilfe mit Selbstschutzinhalten — dort lernen Menschen, einen Notfallrucksack zu packen, Vorräte richtig zu berechnen und sich bei Stromausfall oder Hochwasser zu verhalten.

Der ASB benennt zugleich, was ungelöst bleibt: Bestehende Maßnahmen sind oft nicht verständlich, nicht zugänglich und nicht praxisnah genug. Und die Einbindung besonders gefährdeter Menschen bleibt die größte Herausforderung. Genau hier setzen wir an.

Unsere Antwort

Wir bauen nichts auf, was es schon gibt. Wir bauen die Brücke, die fehlt.

Warn-Apps warnen. Das Bundesamt informiert. Die Hilfsorganisationen bilden aus. Wir führen zusammen und übersetzen — barrierefrei, praxisnah, an einem Ort.

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