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Psychische Erste Hilfe: Halt geben mit ANKER und ERDEN

Zwei Merkhilfen des BBK zeigen, wie Sie anderen nach einem belastenden Ereignis beistehen und selbst wieder Boden unter die Füße bekommen.
27. Oktober 2026 durch
Gesellschaft für zivile Vorsorge

Ein Auffahrunfall auf dem Heimweg oder ein Brand im Nachbarhaus: Wer so etwas miterlebt, kann selbst erschüttert sein, auch ohne verletzt zu sein. Für solche Momente hat das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) zwei Merkhilfen veröffentlicht. ANKER hilft Ihnen, anderen beizustehen. ERDEN hilft Ihnen, sich selbst zu stabilisieren.

Was Psychische Erste Hilfe ist

Gefahrensituationen und Katastrophen können Körper und Seele belasten. Das BBK nennt als mögliche seelische und körperliche Reaktionen zum Beispiel Angst oder Herzrasen. Stark belastende Ereignisse können laut BBK außerdem mit Gefühlen von Hilflosigkeit und Kontrollverlust einhergehen. Psychische Erste Hilfe ist nach Angaben des BBK ein Konzept für die Bevölkerung, das jede Person anwenden kann. Sie richtet sich an Menschen, die nach einem belastenden Ereignis seelisch sehr mitgenommen wirken oder kaum noch handeln können.

Dabei gilt eine klare Reihenfolge: Die medizinische Versorgung hat laut BBK immer Vorrang. Ist jemand verletzt oder in Lebensgefahr, wählen Sie zuerst die 112.

ANKER: so stehen Sie anderen bei

ANKER fasst fünf Schritte zusammen. Sie helfen, wenn eine Person nach einem belastenden Ereignis überfordert oder durcheinander wirkt.

  • Ansprechen: Sagen Sie, wer Sie sind, und bieten Sie Unterstützung an. Fragen Sie, ob die Person Sie hört. Berühren Sie sie nur, wenn Sie sicher sind, dass sie das möchte.
  • Nachfragen: Stellen Sie leichte Fragen, zuerst zur Person, dann zum Geschehen. Das hilft, wieder klarer zu denken.
  • Klarheit geben: Erklären Sie kurz, was passiert ist, dass die Gefahr vorerst vorbei ist und was als Nächstes geschieht.
  • Entscheidungen ermöglichen: Lassen Sie die Person den nächsten Schritt selbst bestimmen oder bieten Sie zwei oder drei Möglichkeiten an. Das wirkt dem Gefühl von Hilflosigkeit entgegen.
  • Ruhig begleiten: Bleiben Sie selbst ruhig und bei der Person, bis professionelle Hilfe oder vertraute Menschen da sind oder bis es ihr besser geht.

Sie müssen dabei nicht alles können. Fühlen Sie sich selbst überfordert oder nicht stabil genug, ist es laut BBK in Ordnung, der Person zu sagen, dass professionelle Hilfe bald da ist, und gemeinsam mit ihr zu warten. Sobald psychosoziale Fachkräfte eintreffen und übernehmen, endet Ihre Unterstützung.

ERDEN: so finden Sie selbst Halt

Wer ein Unglück miterlebt, braucht manchmal zuerst selbst festen Boden. Die Merkhilfe ERDEN soll helfen, sich in einer akuten Krise psychisch zu stabilisieren und wieder handlungsfähig zu werden.

  • Entfernen: Verlassen Sie den Gefahrenbereich. Vielleicht reichen schon ein paar Meter, etwa hinter eine Absperrung oder ein Gebäude.
  • Ruhe finden: Zählen Sie von 10 rückwärts bis 0. Das BBK nennt auch leichte Übungen, etwa die Arme vor der Brust zu kreuzen und die Oberarme zehnmal abzuklopfen.
  • Durchatmen: Atmen Sie bewusst und langsam, etwa 4 Sekunden ein und etwas länger, etwa 5 Sekunden, aus. Wird Ihnen dabei unwohl oder schwindelig, lassen Sie diese Übung weg.
  • Ereignis einordnen: Machen Sie sich bewusst, dass die Gefahr vorbei ist. Fragen wie „Was ist gerade passiert?“ und „Was passiert als Nächstes?“ helfen dabei. Planen Sie dann einen konkreten nächsten Schritt.
  • Notwendiges tun: Schauen Sie, ob Sie anderen helfen können, zum Beispiel mit Erster Hilfe oder einem Notruf über die 112. Tun Sie nur, was Ihnen in Ihrem Zustand möglich ist.

Vier Leitsätze für den Umgang mit Betroffenen

Die Johanniter nennen außerdem vier Leitsätze nach Gasch und Lasogga, die im Umgang mit Betroffenen helfen können: „Sage, dass du da bist und dass etwas geschieht“, „Schirme Betroffene vor Zuschauenden ab“, „Suche vorsichtig Körperkontakt“ und „Sprich und höre zu“.

Was Psychische Erste Hilfe nicht ist

Psychische Erste Hilfe ersetzt keine weiterführende professionelle Unterstützung, betont das BBK. Auch der Leitfaden für Helfende, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die War Trauma Foundation und World Vision International herausgegeben haben, beschreibt psychologische Erste Hilfe als menschliche und praktische Hilfe. Professionelle Beratung ist sie nach diesem Leitfaden nicht. Zuhören gehört dazu. Betroffene zu drängen, das Erlebte im Einzelnen zu schildern, gehört nach dem Leitfaden nicht dazu.

Geht es Ihnen oder einer Person aus Ihrem Umfeld auch Tage nach einem Erlebnis nicht gut, finden Sie ein offenes Ohr zum Beispiel bei der TelefonSeelsorge. Der Anruf ist kostenlos und anonym. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123.

ANKER und ERDEN zum Mitnehmen

Das BBK bietet eine Scheckkarte zur Psychischen Ersten Hilfe zum Bestellen und Herunterladen an. Kompakt zusammengefasst finden Sie ANKER und ERDEN außerdem auf unserer Seite Erste Hilfe lernen.

Im Notfall zählt jede Minute. Wählen Sie bei Lebensgefahr sofort die 112 (Polizei: 110). Psychische Erste Hilfe ersetzt keine professionelle Unterstützung.

Quellen

Titelbild: Hannah Busing / Unsplash

Björn Steiger Stiftung: vom Notruf 112 bis zur Wiederbelebung
Wie eine Stiftung aus Winnenden den bundesweiten Notruf mit angestoßen hat und was sie heute für die Notfallhilfe tut.