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Wenn Ämter und Kassen offline sind: so sorgen Sie für die Folgen von Cyberangriffen vor

Cyberangriffe haben in Deutschland schon Verwaltungen, Kliniken und Tankstellen getroffen. Was bisher passiert ist und was Sie zu Hause vorbereiten können.
5. November 2026 durch
Gesellschaft für zivile Vorsorge

Im Oktober und November 2026 haben Unbekannte über das Internet die Kühlung von Supermärkten in mehreren europäischen Ländern verstellt, nach Medienberichten auch in Deutschland. Cyberangriffe mit Folgen für den Alltag hat es in Deutschland auch früher gegeben. Frühere Fälle zeigen, was tatsächlich ausfallen kann und womit Sie gut vorbereitet sind.

Wenn die Verwaltung stillsteht

Mehrfach haben Cyberangriffe in Deutschland Verwaltungen getroffen. Im Juli 2021 rief der Landkreis Anhalt-Bitterfeld nach einem Angriff mit Erpressungssoftware den Katastrophenfall aus, den ersten wegen eines Cyberangriffs in Deutschland. Sozial- und Unterhaltsleistungen konnten mindestens eine Woche lang nicht ausgezahlt werden. Noch ein Jahr später gab es Rückstände.

Im Oktober 2023 traf ein Angriff den kommunalen IT-Dienstleister Südwestfalen-IT mit 72 Verbandsmitgliedern. Im Juli 2024, rund ein Dreivierteljahr nach dem Angriff, liefen laut Dienstleister wieder wichtige Leistungen wie die Auszahlung von Sozialhilfe, Wohngeldanträge und Kfz-Anmeldungen. Der Krisenmodus dauerte insgesamt elf Monate.

Auch Baden-Württemberg kennt das: Im Mai 2023 blieb das Landratsamt Ludwigsburg nach einem mutmaßlichen Cyberangriff für den Publikumsverkehr geschlossen. Nach einem Hackerangriff im August 2026 wurden in Berlin zwei Senatsverwaltungen vom Netz getrennt. Wohngeld konnte zeitweise an mehr als 50.000 Haushalte nicht ausgezahlt werden.

Kliniken, Tankstellen und Supermärkte

Nach Cyberangriffen haben Kliniken ihre Notfallversorgung zeitweise abgemeldet, etwa ein Klinikverbund im Kreis Soest im Februar 2024 in Absprache mit der Leitstelle. Notfälle nahmen dort umliegende Krankenhäuser auf. Die Kliniken im Landkreis Ludwigslust-Parchim meldeten im Februar 2025 ihre Notaufnahme ab, bedrohliche Notfälle wurden weiter behandelt.

Im Januar 2022 traf ein Angriff den Tanklogistiker Oiltanking. Betroffen waren 233 Tankstellen, vor allem in Norddeutschland. An einigen ging nur noch Barzahlung. In Schweden musste die Supermarktkette Coop im Juli 2021 fast alle ihrer rund 800 Filialen schließen, weil die Kassen nach einem Angriff auf einen IT-Dienstleister ausgefallen waren.

Strom und Wasser: genau hinschauen

Bei Cyberangriffen auf die Stadtwerke Schwerte (März 2025) und Detmold (November 2025) fielen interne Dienste und die Kommunikation aus. Die Versorgung lief nach den Berichten weiter. Die großen Stromausfälle in Berlin im September 2025 und im Januar 2026 gingen auf Brandanschläge auf Strommasten und eine Kabelbrücke zurück. Das waren keine Cyberangriffe.

In anderen Ländern gab es Angriffe mit Folgen für die Versorgung. In Køge in Dänemark manipulierten Angreifende Ende 2024 die Steuerung eines Wasserwerks. Rund 50 Haushalte hatten danach 7 Stunden kein Wasser.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beschreibt die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland in seinem Lagebericht 2025 als angespannt. Das Bundeskriminalamt (BKA) zählte 2025 bundesweit 1.041 angezeigte Angriffe mit Erpressungssoftware, 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

So sorgen Sie im Haushalt vor

Viele Vorsorgetipps für Stromausfälle passen auch hier. Die Empfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK):

  1. Vorrat anlegen. Sie sollten sich möglichst zehn Tage selbst versorgen können. Schon ein Vorrat für drei Tage hilft.
  2. Bargeld bedenken. Das BBK zählt Bargeld und Geldkarten zu den Dingen, die Sie im Notfall nicht vergessen sollten.
  3. Dokumentenmappe anlegen. Stellen Sie alle wichtigen Dokumente in einer Mappe zusammen. Kopien können Sie digital sichern oder bei Angehörigen, Vertrauenspersonen oder in einem Bankschließfach hinterlegen.
  4. Medikamente rechtzeitig auffüllen. Ergänzen Sie Ihren Vorrat an wichtigen Medikamenten, bevor er verbraucht ist.
  5. Radio mit Batterien bereithalten. Ein batteriebetriebenes Radio mit Reservebatterien gehört laut BBK ins Notgepäck.

Ihre eigenen Geräte schützen

In den Niederlanden liefen laut dem Hersteller Danfoss manche der betroffenen Kühlanlagen noch mit dem voreingestellten Passwort. Das BSI rät, voreingestellte Passwörter nach der ersten Nutzung zu ändern. Seine weiteren Empfehlungen für zu Hause:

  • Installieren Sie Sicherheitsupdates zeitnah, wenn möglich automatisch.
  • Vergeben Sie für jedes Konto ein eigenes, sicheres Passwort. Ein Passwortmanager kann dabei helfen.
  • Schalten Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung ein, wo es möglich ist, oder nutzen Sie einen Passkey.
  • Sichern Sie Ihre Daten regelmäßig auf einer externen Festplatte und verbinden Sie diese nur bei Bedarf mit dem Computer.

Im Notfall: 112. Die Gesellschaft für zivile Vorsorge ist kein Warndienst. Aktuelle Warnungen erhalten Sie unter anderem über die Warn-App NINA, Cell Broadcast, Radio und Fernsehen.

Quellen

Titelbild: Clay Banks / Unsplash

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