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Björn Steiger Stiftung: vom Notruf 112 bis zur Wiederbelebung

Wie eine Stiftung aus Winnenden den bundesweiten Notruf mit angestoßen hat und was sie heute für die Notfallhilfe tut.
22. Oktober 2026 durch
Gesellschaft für zivile Vorsorge

Sie wählen die 112 und erreichen Hilfe, ganz gleich, wo in Deutschland Sie gerade sind. Das war lange nicht so. Nach Darstellung der Björn Steiger Stiftung ist der bundesweite Notruf wesentlich ihrem Einsatz zu verdanken. Gegründet haben sie die Eltern eines Jungen, der 1969 nach einem Verkehrsunfall starb, zusammen mit Menschen aus ihrem Freundeskreis. Seitdem arbeitet die Stiftung mit Sitz in Winnenden daran, dass Hilfe schneller ankommt.

Ein Unfall, der vieles verändert hat

Auf dem Rückweg vom Schwimmbad erfasste am 3. Mai 1969 ein Auto den achtjährigen Björn Steiger. Menschen, die vorbeikamen, alarmierten sofort Polizei und Rettungsdienst. Trotzdem dauerte es fast eine Stunde, bis ein Krankenwagen eintraf. Björn starb an den Folgen eines Schocks. Nach Darstellung der Stiftung hätte er überleben können.

Seine Eltern Ute und Siegfried Steiger wollten verhindern, dass sich so etwas wiederholt. Am 7. Juli 1969 gründeten sie mit sieben Menschen aus ihrem Freundeskreis die Björn Steiger Stiftung, und zwar als gemeinnützigen Verein. Ursprünglich hatten sie zwei Jahre für diese Arbeit eingeplant. Schnell zeigte sich, dass ihr Einsatz auf Dauer gebraucht wurde.

Wie die 112 überall erreichbar wurde

Die Notrufnummern 110 und 112 gab es in Deutschland seit 1956, allerdings zunächst nur in wenigen Großstädten. Weite Teile der Bundesrepublik waren damit ohne verlässliche Notfallversorgung. Die Stiftung setzte sich von Beginn an für eine bundeseinheitliche Nummer ein, doch in der Politik galt das Vorhaben lange als nicht finanzierbar.

Siegfried Steiger fragte deshalb im Juli 1973 selbst bei der Oberpostdirektion Stuttgart nach, was der Notruf für den damaligen Regierungsbezirk Nordwürttemberg kosten würde. Verteilt auf 19 Landkreise und kreisfreie Städte war das Angebot über 387.000 DM nach Darstellung der Stiftung „durchaus überschaubar“. Im August 1973 klagte er zudem gegen die Bundesrepublik und das Land Baden-Württemberg, um bundesweit Aufmerksamkeit zu schaffen. Am 20. September 1973 beschloss die Ministerpräsidentenkonferenz schließlich die bundesweite Einführung von 110 und 112. Im Dezember 1979 bekam das letzte Ortsnetz der Bundesrepublik die Notrufnummern. Heute ist die 112 nach Angaben der Stiftung in ganz Europa in allen Kommunikationsnetzen erreichbar.

Was davon heute in Ihrem Alltag ankommt

Die Stiftung wollte von Anfang an den Ausbau der Notfallhilfe anstoßen und die Aufgaben dann an die zuständigen Organisationen und Behörden übergeben. Diese Projekte betreibt oder unterstützt die Stiftung heute:

  • Defibrillatoren: Nach Angaben der Stiftung kaufte sie am 22. April 1977 ihr erstes automatisiertes externes Defibrillationsgerät (AED), ein Jahr nachdem die ersten Geräte dieser Art auf den Markt gekommen waren. Sie übergab es dem nichtärztlichen Rettungsdienst in Ludwigsburg. Ärzteschaft und Behörden bestanden damals darauf, dass nur ärztliches Personal defibrilliert. Erst im Mai 2001 empfahl die Bundesärztekammer, dass auch Menschen ohne medizinische Ausbildung mit automatisierten Geräten defibrillieren. Heute finden Sie solche Geräte zum Beispiel in Einkaufszentren, Supermärkten, auf Sportplätzen oder an Raststätten.
  • Notruftelefone und Notrufsäulen: Schon lange unterhält die Stiftung Notruftelefone in ganz Deutschland, besonders auf dem Land und entlang von Straßen. Ihre neueren Notrufsäulen sind direkt mit der zuständigen Leitstelle verbunden und laufen mit Solarstrom. Sie stehen zum Beispiel an Badeseen und Flussufern. Sie helfen, wenn das Handy keinen Empfang hat oder der Akku leer ist.
  • Baby-Notarztwagen „Felix“: Nach Angaben der Stiftung müssen in Deutschland jährlich rund 640 Frühgeborene transportiert werden (Website der Stiftung, abgerufen im Oktober 2026; ein Erhebungsjahr nennt sie nicht). Im Baby-Notarztwagen liegen Früh- und Neugeborene quer zur Fahrtrichtung. Das senkt nach Angaben der Stiftung das Risiko für die Kinder erheblich. Die Krankenkassen finanzieren das Fahrzeug nicht, die laufenden Kosten trägt die Stiftung.
  • Wiederbelebung lernen: HERZSICHER ist eine gemeinsame Initiative der Björn Steiger Stiftung und der Deutschen Herzstiftung. Auf herzsicher.de können Sie kostenlose Schulungen buchen, in denen Sie Wiederbelebung und den Umgang mit einem Defibrillator üben. Nach Angaben der Stiftung (Stand: Oktober 2026) kommt ab acht Teilnehmenden eine zertifizierte Fachkraft zu Ihnen. Mit „HERZSICHER in der Schule“ werden außerdem Lehrkräfte geschult, die ihr Wissen an ihre Klassen weitergeben.

Was Sie selbst daraus mitnehmen können

In Deutschland erleiden nach Angaben der Stiftung im Schnitt etwa 65.000 Menschen pro Jahr einen Herz-Kreislauf-Stillstand (HERZSICHER-Seite der Stiftung, abgerufen im Oktober 2026; ein Erhebungsjahr nennt sie nicht). Die Stiftung weist darauf hin, dass viele dieser Menschen sterben, weil in den Minuten bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes keine Hilfe kommt. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung (German Resuscitation Council, GRC) betont in seiner Pressemitteilung vom 22. Oktober 2025 zu den neuen europäischen Leitlinien, dass die ersten drei bis fünf Minuten nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand entscheidend sind. Sein Vorstandsvorsitzender Bernd Böttiger wird dort mit dem Satz zitiert: „Viele Menschen wissen nicht, dass man nicht auf den Rettungsdienst warten darf.“

Was in diesen Minuten zu tun ist, fasst der GRC in der Merkformel „Prüfen. Rufen. Drücken.“ zusammen und erklärt den Ablauf Schritt für Schritt auf seiner Website: Wie funktioniert eine Reanimation? Wer die 112 wählt, ist dabei nicht allein. Die Leitlinien 2025 betonen die Rolle der Leitstelle: Sie hilft am Telefon, einen Herz-Kreislauf-Stillstand zu erkennen, und leitet zur Wiederbelebung an.

Sicherer werden Sie, wenn Sie die Handgriffe vorher einmal geübt haben, etwa in einer HERZSICHER-Schulung oder einem Erste-Hilfe-Kurs.

So erreichen Sie die Stiftung

Die Björn Steiger Stiftung hat ihren Sitz in der Petristraße 12, 71364 Winnenden. Sie erreichen sie telefonisch unter +49 7195 3055-0 oder per E-Mail an info@steiger-stiftung.de. Auf steiger-stiftung.de stellt sie ihre Projekte vor und nennt auch Wege, die Arbeit zu unterstützen, etwa über eine Spende oder, für Unternehmen, über eine Patenschaft für ein bestimmtes Projekt.

Im Notfall zählt jede Minute. Wählen Sie bei Lebensgefahr sofort die 112 (Polizei: 110). Dieser Beitrag ersetzt keine Erste-Hilfe-Ausbildung.

Quellen

Titelbild: Frederick Shaw / Unsplash

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