Ein Nachmittag auf dem Land: Über einem Feld kreist ein Rettungshubschrauber und setzt kurz darauf auf. Viele Menschen kennen solche Momente, nur wenige wissen, wer da fliegt und wer entschieden hat, dass er kommt. Hinter vielen der rot-weißen Hubschrauber in Deutschland steht die DRF Luftrettung.
Wer die DRF Luftrettung ist
Die DRF Luftrettung ist eine gemeinnützige Organisation mit Sitz in Filderstadt. Nach eigenen Angaben gehört sie zu den größten Luftrettungsorganisationen Europas. In Deutschland betreibt sie 33 Hubschrauberstationen an 31 Standorten, von Niebüll bis Friedrichshafen (Stand: 1. April 2026). 13 dieser Stationen sind rund um die Uhr einsatzbereit, an fünf Standorten fliegen Hubschrauber mit Rettungswinde.
Gegründet wurde die Organisation am 6. September 1972. Damals gab es nach ihrer Darstellung in den meisten Bundesländern keine einheitliche Notrufnummer und kaum Rettungsleitstellen. Wer Hilfe brauchte, rief zunächst die Polizei an, die dann einen Krankenwagen bestellte. Am 19. März 1973 startete der erste Rettungshubschrauber der Organisation für den Großraum Stuttgart.
Welche Organisation eine Station betreibt, wird häufig in Ausschreibungsverfahren entschieden, 2025 etwa in Dortmund, Regensburg und Mannheim. Die im April 2026 eröffnete Station in Lahr hat das Innenministerium Baden-Württemberg per Dienstleistungskonzession an die DRF Luftrettung vergeben. Mit dem dortigen Hubschrauber „Christoph Ortenau“ sind in Baden-Württemberg nach Angaben des Ministeriums neun Rettungshubschrauber im Einsatz (Stand: 17. April 2026).
Wer entscheidet, ob ein Hubschrauber kommt
Einen Rettungshubschrauber fordern Sie nicht selbst an. Sie wählen die 112, und die Rettungsleitstelle entscheidet. Nach Angaben der DRF Luftrettung wählen die Fachleute dort das Rettungsmittel nach medizinischen Gesichtspunkten und danach aus, wo gerade ärztliches Personal verfügbar ist. Braucht es notärztliche Hilfe, schickt die Leitstelle das schnellste verfügbare Rettungsmittel.
In der Notfallrettung bringt der Hubschrauber vor allem schnell ärztliche Hilfe an den Einsatzort. Die Besatzungen heben laut DRF Luftrettung innerhalb von zwei Minuten nach Eingang des Notrufs ab und erreichen Einsatzorte im Umkreis von 60 Kilometern in höchstens 15 Flugminuten (Stand: 1. April 2026). Das Innenministerium Baden-Württemberg nennt für die Station Lahr dieselben 60 Kilometer und 15 Flugminuten.
Nicht immer fliegt der Hubschrauber die versorgte Person anschließend selbst in die Klinik. Je nach Zustand übernimmt das auch ein Rettungswagen am Boden, damit der Hubschrauber schnell für den nächsten Einsatz frei ist. Wenn Sie sehen, dass ein Hubschrauber ohne die versorgte Person wieder abhebt, kann genau das der Grund sein.
An Bord sind nach Angaben der Organisation immer ein:e Pilot:in, ein:e Notärzt:in und ein:e Notfallsanitäter:in. Nachts fliegen zwei Pilot:innen. In Lahr stellt das Ortenau Klinikum die notärztliche Besetzung, die übrige Besatzung kommt von der DRF Luftrettung.
Was die Zahlen über den Alltag verraten
Im Jahr 2025 waren die Hubschrauber und Flugzeuge der DRF Luftrettung insgesamt 36.407-mal im Einsatz, 1,6 Prozent häufiger als 2024 mit 35.850 Einsätzen (Jahresbilanz vom 21. Januar 2026). Am häufigsten wurden die Hubschrauber wie in den Vorjahren zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall gerufen. Auch Unfälle und Stürze gehörten zu den häufigen Anlässen.
Die Besatzungen der Stationen, die rund um die Uhr oder mit erweiterten Randzeiten fliegen, waren 2025 bei einem Viertel ihrer Einsätze im Dunkeln unterwegs. Die meisten Stationen arbeiten allerdings nur tagsüber (Stand: 1. April 2026). Christoph Ortenau in Lahr zum Beispiel ist laut Innenministerium von Sonnenaufgang, frühestens 7 Uhr, bis 30 Minuten nach Sonnenuntergang im Einsatz. Die DRF Luftrettung fordert, die Luftrettung bei Dunkelheit auszuweiten.
226-mal kam 2025 die Rettungswinde zum Einsatz, um Menschen in schwer zugänglichem Gelände zu versorgen und auszufliegen, 41 Prozent öfter als im Jahr davor. Daneben fliegen die Hubschrauber Intensivtransporte zwischen Kliniken. Mit ihren drei Ambulanzflugzeugen führte die DRF Assistance 2025 nach Angaben der DRF Luftrettung 479 Rückholungen aus dem Ausland mit medizinischer Begleitung durch.
Was Sie daraus mitnehmen können
- Die 112 genügt: Sie müssen nicht einschätzen, ob ein Hubschrauber nötig ist. Schildern Sie der Leitstelle, was passiert ist, die Entscheidung trifft sie. Die 112 erreichen Sie in Deutschland und in Europa im Festnetz und mobil, ohne Vorwahl und kostenlos.
- Am Telefon bleiben: Die Leitstelle kann Sie am Telefon anleiten. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung rät, das Telefon auf Lautsprecher zu stellen und den Anweisungen zu folgen. Seine Merkformel lautet „Prüfen. Rufen. Drücken.“ Was dahintersteckt, lernen Sie am besten in einem Erste-Hilfe-Kurs.
- Werbung an der Haustür einordnen: Nach Angaben ihres Fördervereins DRF e.V. wirbt die DRF Luftrettung an Infoständen, per Brief, online und vereinzelt mit geschulten Beschäftigten im Außendienst an der Haustür um Fördermitglieder. Für Fragen bietet der Verein eine persönliche Beratung an (Kontakt siehe unten).
- Danke sagen: Über das Kontaktformular der DRF Luftrettung lässt sich eine Dankesnachricht an eine Einsatzcrew schicken.
Finanzierung und Kontakt
Nach Angaben des Fördervereins DRF e.V. übernehmen die Krankenkassen, was zum gesetzlich festgelegten Leistungsumfang gehört. In anderen Bereichen bringt der Verein eigene Mittel aus Förderbeiträgen und Spenden auf oder geht in Vorkasse. Besondere Verfahren wie die Windenrettung wären laut Verein ohne dieses zusätzliche Geld nicht möglich. Durchschnittlich 450.000 Euro im Jahr investiert der DRF e.V. nach eigenen Angaben in Anschaffung und Wartung medizinischer Geräte und in Medizinprodukte für Hubschrauber und Ambulanzflugzeuge (laut Vereinswebsite, abgerufen am 5. November 2026). Fördermitglieder können sich bei einem Notfall im Ausland an die rund um die Uhr erreichbare Einsatzzentrale wenden. Ist es aus medizinischer Sicht sinnvoll und vertretbar, kann der Verein sie in ein Krankenhaus nahe der Heimat zurückbringen lassen.
Allgemeine Anfragen nimmt die DRF Luftrettung über das Kontaktformular auf ihrer Website entgegen. Fragen zur Fördermitgliedschaft beantwortet der DRF e.V. per E-Mail an foerderverein@drf-luftrettung.de oder telefonisch unter +49 711 7007 2211.
Im Notfall zählt jede Minute. Wählen Sie bei Lebensgefahr sofort die 112 (Polizei: 110). Dieser Beitrag ersetzt keine Erste-Hilfe-Ausbildung.
Passend dazu
Quellen
- DRF Luftrettung: Jahresbilanz 2025 der DRF Luftrettung, Pressemitteilung vom 21.01.2026 (abgerufen am 05.11.2026)
- DRF Luftrettung: Luftrettungsstationen der DRF Luftrettung, Stand 01.04.2026 (abgerufen am 05.11.2026)
- DRF Luftrettung: Notfallrettung (abgerufen am 05.11.2026)
- DRF Luftrettung: Historie: Meilensteine der DRF Luftrettung (abgerufen am 05.11.2026)
- DRF e.V.: Fördern (abgerufen am 05.11.2026)
- DRF Luftrettung: Kontakt zur DRF Luftrettung (abgerufen am 05.11.2026)
- Ministerium des Inneren, für Digitalisierung und Europa Baden-Württemberg: Start des neuen Rettungshubschraubers Christoph Ortenau am Flughafen Lahr, Pressemitteilung vom 17.04.2026 (abgerufen am 05.11.2026)
- Deutscher Rat für Wiederbelebung (GRC): Wie funktioniert eine Reanimation (abgerufen am 05.11.2026)
Titelbild: Zufallspotter, via Wikimedia Commons, Lizenz CC BY-SA 4.0, verkleinert