Nach einem schweren Unfall oder einem anderen Unglück fühlt sich vieles anders an. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) nennt Angst, Zittern oder Herzrasen als mögliche Reaktionen, wenn Menschen in Gefahr geraten oder eine Katastrophe erleben. Reaktionen nach besonders belastenden Einsätzen sind laut dem Leitfaden der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) für Einsatzkräfte zunächst „ganz normale Reaktionen auf ein unnormales Ereignis“.
Was Körper und Seele zeigen können
In ihrem Leitfaden für Einsatzkräfte ordnet die DGUV mögliche Reaktionen nach besonders belastenden Einsätzen vier Bereichen zu. Einige Beispiele aus dieser Übersicht:
- Körper: schnellerer Puls und Atem, Herzrasen, Muskelzittern, Übelkeit, Erschöpfung, Schlafstörungen und Albträume
- Gefühle: Trauer, Schuldgefühle, ein Gefühl von Ohnmacht, gedrückte Stimmung oder Angst
- Gedanken: plötzlich aufbrechende Fragen nach dem Sinn oder die Erkenntnis der eigenen Verwundbarkeit
- Verhalten: weniger Kontakt zu anderen Menschen oder ein verändertes Konsumverhalten
Auch der Leitfaden für Helfende, den die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die War Trauma Foundation und World Vision International herausgegeben haben, nennt Schlaflosigkeit und Albträume als mögliche Reaktionen auf eine Krise.
Wie lange das dauern kann
Für Einsatzkräfte beschreibt die DGUV, dass typische erste Reaktionen auf besonders belastende Einsätze, etwa Schlafstörungen oder Konzentrationsschwierigkeiten, meist innerhalb weniger Stunden oder Tage wieder abklingen. Halten sie länger als drei Tage an, ist nach dem Leitfaden besondere Aufmerksamkeit nötig. Bestehen sie länger als vier Wochen, empfiehlt der Leitfaden professionelle Hilfe.
Bei Kindern beschreibt das BBK Ähnliches: Reaktionen wie Albträume oder Ängstlichkeit klingen in den meisten Fällen nach kurzer Zeit wieder ab. Sind sie sehr stark oder halten sie mehrere Wochen an, rät das BBK, professionelle Unterstützung zu suchen.
Auf seiner Seite zur Psychischen Ersten Hilfe für sich selbst weist das BBK darauf hin, dass sich die eigene Belastung nicht immer sofort zeigt. Sie kann auch erst nach Stunden oder sogar Tagen auftreten. Dann rät das BBK, sich professionelle Hilfe zu suchen. Im Leitfaden für Einsatzkräfte schreibt die DGUV, es sei „kein Zeichen von Schwäche, sich Hilfe für die Seele einzufordern und anzunehmen“.
Was in akuten Krisen hilft
Für akute Krisensituationen hat das BBK die Merkhilfe ERDEN veröffentlicht. Ihre fünf Schritte heißen Entfernen, Ruhe finden, Durchatmen, Ereignis einordnen und Notwendiges tun. Was hinter den einzelnen Schritten steckt, erklärt Teil 1 dieser Reihe. Zum letzten Schritt gehört nach dem BBK auch, sich mit anderen vor Ort zusammenzuschließen und über das Erlebte zu sprechen.
Was danach helfen kann
- Reden, wenn Sie möchten: Gespräche mit anderen empfiehlt das BBK ausdrücklich. Reden muss dabei aber niemand: Der WHO-Leitfaden rät davon ab, Menschen zum Erzählen zu drängen.
- Vertraute Menschen einbeziehen: Der WHO-Leitfaden empfiehlt, Betroffene mit vertrauten Menschen und sozialer Unterstützung in Verbindung zu bringen. Für Einsatzkräfte beschreibt die DGUV das soziale Umfeld als wichtige Ressource. Angehörige, Freundeskreis und Kollegium können Veränderungen nach belastenden Einsätzen erkennen und dazu beitragen, dass professionelle Hilfe angenommen wird.
Wo Sie Unterstützung finden
- Bei Lebensgefahr: sofort die 112.
- Vor Ort: Als Anlaufstellen nennt das BBK Angebote der psychosozialen Notfallversorgung in Ihrer Region sowie psychotherapeutische oder ärztliche Stellen.
- TelefonSeelsorge: 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123, kostenlos, anonym, Tag und Nacht; außerdem per Chat und Mail.
- Nach einer Straftat: das Opfer-Telefon des WEISSEN RINGS unter 116 006, kostenlos und anonym, täglich von 7 bis 22 Uhr.
- Für Kinder, Jugendliche und Eltern: die Nummer gegen Kummer, kostenlos und anonym. Das Kinder- und Jugendtelefon unter 116 111 ist montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr erreichbar, das Elterntelefon unter 0800 111 0550 montags, mittwochs und freitags von 9 bis 17 Uhr sowie dienstags und donnerstags von 9 bis 19 Uhr.
- Für Eltern: Haben Sie Fragen zum Umgang mit Ihrem Kind, können Sie sich laut BBK fachlichen Rat holen, etwa in der kinderärztlichen Praxis, bei einer (Erziehungs-)Beratungsstelle oder in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie.
Im Notfall zählt jede Minute. Wählen Sie bei Lebensgefahr sofort die 112 (Polizei: 110). Psychische Erste Hilfe ersetzt keine professionelle Unterstützung.
Passend dazu
Quellen
- Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung: DGUV Information 205-038, Leitfaden Psychosoziale Notfallversorgung für Einsatzkräfte, November 2020, S. 9, 29, 32 und 34 (abgerufen am 22.10.2026)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Psychische Erste Hilfe für mich (Merkhilfe ERDEN) (abgerufen am 22.10.2026)
- Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe: Mit Kindern über Terroranschläge sprechen, 2021 (abgerufen am 22.10.2026)
- WHO, War Trauma Foundation, World Vision International: Psychological first aid: Guide for field workers, 2011, S. 2, 9, 18, 20 und 24 (abgerufen am 22.10.2026)
- TelefonSeelsorge Deutschland: Startseite (abgerufen am 22.10.2026)
- WEISSER RING: Opfer-Telefon (abgerufen am 22.10.2026)
- Nummer gegen Kummer: Startseite (abgerufen am 22.10.2026)
Titelbild: Liz Sanchez-Vegas / Unsplash